Die nominale ist nicht die reale Wirtschaft

Die aktuelle Diskussion über das Zinsniveau enthält ein Stück Geldillusion. „Geldillusion“  bezeichnet den häufigen Denkfehler auf nominale statt auf reale Preise zu achten.

nominale vs reale Kaufkraft
Der Unterschied zwischen nominalen und realen Preisen (z. B. Löhnen) sieht man am Besten bei hohen Preisschwankungen. Auf dem Papier hat man in zwei Jahren das gleiche Gehalt. Verdoppeln sich am Ende des ersten Jahres alle Preise ausser die Löhne, können Arbeitnehmer im zweiten Jahr nur noch den halben Warenkorb kaufen. Nominal ist es der gleiche, real der halbe Lohn.

nur Reales zählt
Konsum (im weitesten Sinne) macht glücklich. Konsum ist real. Ich möchte einen Apfel essen. Ich möchte ein Fahrrad fahren, nicht Fahrradeinheiten im Wert von 500 Franken. Aus diesem Grund sollten wir uns an realen Grössen orientieren, tun wir aber nicht immer.

Wo ich gerade bei Preisen bin:
Preis des Geldes = 1/LIK
99.9% der Befragten hätten hier „Zins“  geantwortet. Stimmt aber nicht. Zinsen sind der Preis für Kredit.

Vor 100 Jahren wäre diese Frage leichter gewesen. Damals kostete ein Franken etwa 0.3g Gold. Gold hatte damals die Funktion des „nominalen Ankers“, die heute der Preisindex (LIK) bzw. seine Wachstumsrate übernommen hat.

Nominaler Anker? Später mehr.