Die Schweizer haben mehr Devisen als sie ausgeben wollen

Um den Frankenkurs zu verstehen, sind mehrere Blicke in die Schweizer Zahlungsbilanz sehr nützlich. Dieser erste Post gibt einen allgemeinen Überblick. Die folgenden diskutieren Details zur ausländischen Frankennachfrage und der schweizerishcen Nachfrage nach fremden Währungen (s.a. Inhaltsverzeichnis). Meinem Eindruck nach kann die Kapitalflucht in den sicheren Franken zwar gelegentlich etwas erklären. Grundsätzlich steckt aber eine Änderung im Fremdwährungsbedarf der Schweizer hinter dem Wechselkursverlauf.

Export & Banken bringen, Auslandsinvestitionen kosten Devisen
Für eine Übersicht zu den Schweizer Deviseneinkünften und -ausgaben habe ich die Zahlungsbilanz in drei Positionen zusammengefasst. Traditionelle Devisenbeschaffer sind der Exportüberschuss sowie Bargeld, Einlagen & Kredite (BEK) bei den Schweizer Banken. Gleichzeitig investieren die Schweizer mehr im Ausland als umgekehrt. Direkt- und Portfolioinvestitionen sind somit im Defizit. Beide Gruppen gegeneinader verrechnet hielten sich vor Ausbruch der Krise in etwa die Waage:

BOP-overviewBis 2008 stimmt dieser Zusammenhang ungefähr. Nach 2008 wuchsen Exportüberschuss und BEK-Beitrag bis zuletzt weiter. Alledings ging das ausgehende Nettoinvestionsvolumen deutlich zurück bis fast auf Null. Die Differenz wird hauptsächlich durch anschwellende Währungsreserven wett gemacht.
[Diese Zusammenfassung ignoriert die Zahlungsbilanzpositionen „Derivate“ und „Rest“.]

Volatile Bankeinlagen
Für die letzten beiden dargestellten Jahre ging deutlich Druck aus dem Kessel, denn der Überschuss aus Export und BEK fiel ebenfalls stark gegen Null. Es brauchte folglich nicht viel Kapitalexport um die Zahlungsbilanz auszugleichen. Dieser Rückgang ist in erster Linie eine Umkehr der BEK-Position:

BOP-DeviseneinbringerZwei Aspekte sind interessant:
Zum einen rutscht der BEK-Beitrag 2013 von einem Rekordüberschuss in ein -defizit. Dahinter liegt, dass sowohl weniger Geld zuströmt als auch die Schweizer wieder mehr in Fremdwährungen transferieren (bzw. weniger abziehen).

Zum anderen steigt nach 2008 der BEK-Beitrag deutlich an. Allerdings stecken dahinter nur punktuell Fluchtgelder. Zwar gibt es substantielle Zuströme in bestimmten Quartalen. Zweifellos haben dies Zuströme auch SNB-Interventionen ausgelöst. Allerdings sind sie vom Niveau her keineswegs ohne Vorgänger.

Die aus meiner Sicht ursächliche Entwicklung ist, dass die Schweizer aufgehört haben selbst in Fremdwährungen zu investieren.

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2 Gedanken zu „Die Schweizer haben mehr Devisen als sie ausgeben wollen“

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