Horten und horten lassen

In einem früheren Post habe ich vermutet, dass in der Schweiz ca. 8 Mrd. Franken in Form von 1000 Franken Noten gehortet werden. Zwar ist das sicherlich keine geldpolitisch relevante Menge. Allerdings wird Thomas Jordan nicht müde die „hohen Kosten“ des Umschichtens in Bargeld zu beschwören. Auch will man sich die Option den Bargeldumlauf einzuschränken scheinbar offen halten:

Bestrebungen, den Negativzins durch Ausnahmeregelungen oder Umschichtung in Bargeld zu umgehen, sind im aktuellen Umfeld nicht im Gesamtinteresse der Schweiz, da sie die geldpolitischen Absichten unterlaufen.

Das ist wohl nicht ganz zufällig ein wörtliches Zitat aus der Schweizer Bundesverfassung.

Was kostet Horten?
Das ist im Moment eine in englischen Blogs durchaus diskutierte Frage. Die von Jordan zitierten Kosten sind einerseits Fixkosten (Logistik-, Lager- und Sicherungskosten) sowie entgangene Erträge aus der Anlagealternative.

Prinzipiell hat jede Anlage zwei Erträge: Zinsen und Liquiditätsdienste. Geld zahlt eben keine Zinsen, bietet aber grosse Liquidität. Girokonten bieten in der Regel etwas mehr Zinsen, sind aber dafür etwas weniger liquid. Nicht alle, die Bargeld akzeptieren, akzeptieren zwingend eine Überweisung oder EC-Karte.

Für Banken und institutionelle Anleger bringen Girokonten aktuell negative Zinserträge. Da entgeht ihnen also nichts. Mit den entgangenen Liquiditätsdiensten ist es angesichts der grossen Girokontenbeträge auch nicht weit her. Die Marktteilnehmer um die es der SNB geht, suchen nur die Wertaufbewahrung. Liquidität haben sie im Überfluss.

Nerven oder Sicherheit
Bei den Fixkosten sind meiner Ansicht nach die Sicherungskosten entscheidend. In die grösseren Schrankfächer der Schweizer Banken passen bis zu einer halben Milliarde Franken in 1000er Scheinen. Wenn ich mich nicht verrechnet habe, zu einem lächerlichen Preis von 0.003 Prozent! Die Negativzinsen sind im Moment 250 mal so hoch.

Das zentrale Problem hierbei ist die Sicherung. Wenn die Bank abbrennt, fehlt dir eine halbe Milliarde Franken. Das muss man erst mal aushalten.

Statt dessen hoch gesicherte Räume einzurichten ist wohl das, was Thomas Jordan bei den hohen Kosten im Sinn hat.

Was meiner Vermutung nach aber eben bald wichtig werden könnte: Grundsätzlich kann die SNB die Kosten des Hortens stark beeinflussen. Zum Horten braucht es Banknoten und die gibt’s im Moment in unbegrenzter Menge zum Einheitspreis bei der SNB. Will sie die Zinsen weiter senken, sollte die SNB den inner-Franken Wechselkurs freigeben.

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4 Gedanken zu „Horten und horten lassen“

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